Geschichte & Perspektiven

Vortrag Jeff Kuhn Telescopium Lilienthal

Bildgebende Wissenschaft und Entdeckung von Leben außerhalb des Sonnensystems

Professor Jeff Kuhn ist ein international anerkannter Wissenschaftler für theoretische und experimentelle Astrophysik, der gegenwärtig in den USA auf Hawaii arbeitet. Dort ist er speziell mit den Problemen befasst, die sich bei bildgebenden Techniken an Großteleskopen ergeben. Er ist an der Konzeption verschiedener Großteleskope beteiligt, wie das „Daniel K. Inouye Solar Telescope“, oder das „Giant Magellan Telescope (GMT)“. Ein weiteres Betätigungsfeld ist die Untersuchung von Lebensformen außerhalb des Sonnensystems.

Jeff Kuhn wird Anfang September in Bremen sein und es ist gelungen, ihn zu einem Vortrag im Rahmen der Telescopium Lilienthal gGmbH zu gewinnen. Sein Thema im Original lautet: “Imaging science and the detection of life beyond the solar system”. Die Grundlagen der Herstellung von Teleskopspiegeln gehen bereits auf Newton und Gregory im 17. Jahrhundert zurück. Im Zeitalter globaler Satellitenkonstellationen und großer astronomischer Teleskope sollten wir uns fragen, was möglich ist, wenn die Kosten für beugungsbegrenzte Optiken von derzeit 250.000 auf 10.000 Euro/m2 sinken? In diesem Vortrag werden daher aktuelle Bemühungen beschrieben, baubare Teleskope im km-Maßstab mit neuen optischen und mechanischen Technologien zu entwickeln. Dies sind Entwicklungen, die es uns evtl. einmal ermöglichen werden Anzeichen von Leben um einen nahen Stern zu finden.

Der Vortrag wird am 14. September 2022 ab 19:00 Uhr im Schroetersaal (Murkens Hof) in Lilienthal, Klosterstraße 25 in englischer Sprache stattfinden. Dieser Vortrag ist übrigens als Auftakt einer ganzen Vortragsreihe unter dem Motto „Astronomie in Lilienthal – Geschichte und Perspektiven“ geplant. Der Eintritt beträgt 15 Euro.

Vita: Jeff Kuhn hat 1981 in Princeton in Physik promoviert, wobei sich seine Forschung hauptsächlich auf die experimentelle und beobachtende Astrophysik konzentriert. Er hat an der Konzeption mehrerer großer Teleskope wie dem Daniel K. Inouye Solar Telescope und frühen Konzepten für das GMT gearbeitet. Er war der Gründungsdirektor des Advanced Technology Research Center der Universität von Hawaii. Er ist Stipendiat der Sloan Foundation und Empfänger des Senior-Humboldt-Preises. In jüngster Zeit hat er sich mit dem Problem der direkten Abbildung mit großen Abbildungssystemen beschäftigt.

Weitere Einzelheiten zu Jeff Kuhn finden sich hier: https://www.ifa.hawaii.edu/users/kuhn/kuhn2.html

Sternwarte Lilienthal

Nach dem Wiederaufbau des 27-Fuß Spiegelteleskops von 1793

Ein Erlebnis für Jung und Alt

Um die bedeutende Astronomiegeschichte Lilienthals, sowohl Kindern, Jugendlichen als auch Erwachsenen näher zu bringen und sie damit für den Wiederaufbau der Lilienthaler Sternwarte zu interessieren, wurde im Jahre 2000 die AVL Astronomische Vereinigung Lilienthal e.V. gegründet. In der Satzung des gemeinnützigen Vereins ist die Selbstverpflichtung, das historische Erbe des Lilienthaler Oberamtmannes und Astronomen Johann Hieronymus Schroeter zu bewahren sowie den Aufbau des größten Instrumentes der Sternwarte, des 27- füßigen Spiegelteleskops aus dem Jahre 1793 anzustreben, festgeschrieben worden.

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Die Entstehung der Sternwarte TELESCOPIUM-Lilienthal

Nach mehrjähriger intensiver und mehrfach veränderter Planung unter dem Arbeitstitel TELESCOPIUM-Lilienthal ist aus dem ursprünglichen Projekt mit einem Science-Center, dem Aufbau historischer Beobachtungsstationen und einem Planetarium die Rekonstruktion des 27-füßigen Teleskops nunmehr Realität geworden.

Spiegelteleskop Telescopium Seitenansicht

27-Fuß Spiegelteleskop mit Besucherinformation. Foto: K.-D. Uhden

Am Ortseingang Lilienthals, gegenüber dem Borgfelder Landhaus, entstand entsprechend der technischen Beschreibung von Schroeter der originalgetreue Nachbau seines Newton-Spiegelteleskops mit einem Spiegeldurchmesser von 50 cm und 8 Meter Brennweite.

Die sog. Montierung, mit der das Fernrohr auf das Beobachtungsobjekt ausgerichtet wird, ist eine gabelartige Holzkonstruktion, die auf einem gemauerten Turm ruht, der eine Höhe von ca. 7 Meter hat. Das Gerät mit dem Tubus, der Beobachterbühne und den darauf befindlichen Besuchern lässt sich horizontal um die Mittelachse des Turmes drehen.

Der Durchmesser des äußeren Spurkreises beträgt 22 Meter. Die Höhenverstellung des Rohres mit der Optik geschieht über einen Flaschenzug.

Zur Kompensation der Erddrehung wird das Teleskop über Zahn-und Spindeltriebe vom Beobachter selbst mit der Hand bewegt. Der seitliche Einblick in das Rohr mittels Okular ist am oberen Rohrende auf der Plattform, die Platz für mehrere Personen bietet. Der Zugang zur Plattform ist über eine Treppe im Turm oder über eine separate äußere Leiterkonstruktion möglich.

Spiegelteleskop Telescopium Fernrohr

Rohrende mit Refraktor und Azimutal Getriebe.  Foto: H.-J. Leue

Das Instrument ist baulich und sicherheitstechnisch dem heutigen Stand der Technik angepasst, wobei die historisch überlieferte Handhabung grundsätzlich beibehalten wurde.

Ziel ist es, zu zeigen wie und mit welcher Technik vor mehr als 200 Jahren astronomische Beobachtungen durchgeführt wurden und zu welchen Ergebnissen und Erkenntnissen die Astronomen der Zeit kommen konnten.

Wegen der Lichterglocke Lilienthals und Bremens werden überwiegend die Objekte des Sonnensystems, d.h. Sonne, Mond und Planeten, zu beobachten sein.

Bei ruhiger Luft können die Mondkrater mit ihren vielen Facetten bei den wechselnden Mondphasen, die Wolkengürtel auf dem Jupiter mit dem Spiel seiner vier großen Monde , das Ringsystem des Planeten Saturn oder die Strukturen auf der Sonnenoberfläche mit großer Brillanz zu sehen sein.
Die Beobachtung mit einem historischen Großfernrohr wird einen bleibenden Eindruck auf den Besucher hinterlassen.

Hans-Joachim Leue