Beobachtungen

 

 

Die Zeichnungen und die Beobachtungsdaten sowie die sog. Schlussfolgerungen, die  Zusammenfassungen des Autors aus der Beschreibung der umfangreichen Beoachtungen sind, wurden den Schroeterschen „Fragmenten“ entnommen.

Beispiel: Sonne

sonne

J.H. Schroeters Beobachtungen der Sonne erstrecken sich – ähnlich wie die des Mondes – über einen langen Zeitraum von mehr als 15 Jahren.

Beginnend im Jahre 1779 mit einem kleinen 3-füßigen achromatischen Refraktor, setzte Schroeter zunehmend seine Spiegelteleskope ein, um Sonnenflecken und Fackeln zu studieren.

Da die lichtstarken Geräte viel Wärme konzentrierten, und diese hauptsächlich durch ein dichtes Dämpfglas am Okular abgefangen werden mußte, war die Sonnenbeobachtung ein nicht ganz ungefährliches Unternehmen. Mehrere male sei ihm beim Sprung eines Glases „der Blitz des Lichtkegels ins Auge gefahren“.

Neben den Oberflächenphänomen ermittelte J.H. Schroeter den Durchmesser und die Rotationsperiode der Sonne und erkannte die kraterartige Vertiefung der Sonnenflecken (Wilson-Effekt). Er suchte nach Erklärungen zur „physischen Beschaffenheit ihrer Oberfläche und ihres Lichts“. Zwar bezweifelte er die Hypothese des französischen Astronomen De la Hire , nach der die Sonne ein dunkler Körper sei, umflossen von einem Lichtfluidum, konnte sich ihr aber nicht ganz entziehen.

Beobachtungsinstrumente: (1 Fuß ≈ 30 cm Brennweite)
• 3-füßiger achromatischer Refraktor (1779 – 1784)
• 4- und 7-füßige Reflektoren nach Herschel (ab 1784 bzw. ab 1786 )
• 7- und 13-füßige Newton-Reflektoren von Schrader/Schroeter (ab 1793)
• 10-füßiger Refraktor von Dollond

Mitbeobachter von J.H. Schroeter:
aus Lilienthal: Karl Ludwig Harding

Beobachtungsergebnisse:
• die Sonne erscheint nicht als Fläche sondern als Kugel
• zum Rand hin fällt die Helligkeit der Sonnenscheibe stark ab (Mitte-Rand-Variation) – es gibt Flecken und Fackeln auf der Sonne
• die Fleckenkerne (Umbra) sind dunkel bis schwarz (Tab. I – Fig. 2)
• ihre Ränder zeigen eine Streifenstruktur
• manche Flecken haben helle „Lichtadern“ (Lichtbrücken) / (Tab. I – Fig. 1)
• viele Flecken sind von einem mattgrauen „Lichtnebel“ (Penumbra) umgeben
• ihr Außenrand ist nicht scharf begrenzt sondern gestreift
• randnahe Flecken erscheinen gebirgig wie Krater
• Sonnenfackeln sind heller als die umgebende Sonnenfläche
• Fackeln treten allein oder in der Nähe von Flecken auf
• Sonnenflecken und -fackeln verändern sich oft sehr rasch
• Flecken treten gehäuft in einer Zone um den Sonnenäquator herum auf
• die Sonne ist nicht einheitlich hell sondern erscheint „marmoriert“ (Granulation)

Schlussfolgerungen:
• die Sonne hat eine „Atmosphäre“, welche Licht aussendet (Photosphäre)
• Licht ist unsichtbar, erst durch Reflexion wird es wahrnehmbar
• Sonnenflecken bilden sich durch „Schichtung der Lichtatmosphäre“ (Stratifizierung)

H.J. Leue

Beispiel: Mond

mond_kl mond4-kl

Vierzehn Jahre lang (1787 bis 1801) beobachtete J. H. Schroeter den Erdmond, bevor sein zweibändiges Mondwerk druckreif war. Er zeichnete Ebenen, Krater, Rillen, Berge; bestimmte ihre Durchmesser, Längen und Tiefen und machte sich Gedanken über die Entstehungsgeschichte des Erdtrabanten.

Schroeter erkannte, dass sowohl vulkanische als auch tektonische Kräfte die Mondoberfläche geformt haben; dass es Terrain verschiedenen Alters gibt und der Mondboden von unterschiedlicher Konsistenz sein muss. Er glaubte, der Mond habe eine dünne Atmosphäre, dass Täler und Rinnen blühende Landschaften sein können, bewohnt von Menschen, die er „Seleniten“ nannte.

Die „Selenotopographischen Fragmente“, mit mehr als tausend Seiten Text und fünfundsiebzig in Kupfer gestochenen Zeichnungen, fanden eine große Verbreitung und begründeten Schroeters weltweite Anerkennung als Mondforscher.

Schemata zu Sonnen- und Mondfinsternissen, zur Entstehung der Mondphasen, zur Vermessung von Kratern und Bergen aus ihren Schattenlängen oder zur Bestimmung der Tiefe von Kratern, Rillen und Einsenkungen bei unterschiedlicher Sonneneinstrahlung sind einer detailreichen Beschreibung der Mondoberfläche vorangestellt.
Beispiele:
Tab. XVI: Krater Archimedes
• „Beträchtliches Wallgebirge – eine ältere, wieder flach gewordene Einsenkung“.
• Der Kraterboden erscheint graufarben und völlig eben.
• Umgeben ist Archimedes von hohen Bergen, Kopfgebirgen, länglichen Bergrücken, kleinen und größeren Einsenkungen.
• Vom Kraterring bis h läuft eine ca. 10 geografische Meilen lange Rille (i).
• Unterhalb von Archimedes quert eine „Bergader“ (Faltungsrücken – r), die in den nördlichen Vorgebirgen des Kraters Kopernikus „entspringt“.
Tab. XXVII: Krater Aristarch
• J. H. Schroeter beschreibt den Krater als „schichtartiges Ringgebirge“.
• Er sah – wie nach ihm viele Beobachter – im Krater Helligkeitswechsel, die er auf hochreflektierendes Mondmaterial zurückführte. Die vom kleineren Nebenkrater Herodot (b) ausgehende 140 km lange „geknickte Rinne“ (e) erhielt entsprechend der von Schroeter geprägten Nomenklatur den Namen „Schroeter-Tal“ oder „Schroeter-Rille“.

Beobachtungsinstrumente (1 Fuß ≈ 30 cm Brennweite):
• 4- und 7-füßige Reflektoren nach Herschel (Selenotopgraphische Fragmente Teil I)
• 7- und 13-füßige Newton-Reflektoren von Schrader/Schroeter
• 15- und 27-füßige Reflektoren von Schroeter

Mitbeobachter von J.H. Schroeter aus Lilienthal:
Karl Ludwig Harding, Friedrich Wilhelm Bessel

H. J. Leue

Beispiel: Merkur und Venus

venus

Die Planeten Merkur und Venus stehen bei visueller Sichtbarkeit meist als Morgen – oder Abendsterne in Horizontnähe in der Dämmerung. Ab 1800 beobachteten J.H. Schroeter und Karl Ludwig Harding deshalb die beiden inneren Planeten mit dem 10-füßigen Refraktor oft am Tageshimmel. Dadurch wurden die Schwierigkeiten zum Erkennen von Details auf den Planetenoberflächen infolge der verstärkten Luftunruhe am Horizont gemindert und eine längere Sichtbarkeitsdauer gewährleistet.
Der kleine Merkur stellt wegen seiner Größe ohnehin ein besonderes Problem dar; nur sporadisch wurden vor Schroeter dunkle Gebiete auf ihm gesichtet. Auf der stets wolkenverhangenen Venus lassen sich selbst in modernen Teleskopen nur verwaschene Flecken und Streifen erkennen.
Erst zahlreiche Raumsonden machten es möglich, konkretes über die Oberflächen, die Atmosphäre und die Rotationsperiode der Planeten zu erfahren.

Beobachtungszeiten:
Merkur: 1800 – 1802 / Venus: 1784 – 1806

Beobachtungsinstrumente (1 Fuß ≈ 30 cm Brennweite):
• 1779 – 1784 : 3-füßiger achromatischer Refraktor
• ab 1784: 4- füßiger Newton- Reflektor nach Herschel
• ab1786: 7- füßiger Newton-Reflektor nach Herschel
• ab 1800: 10-füßiger Refraktor von Dollond

Mitbeobachter von J.H. Schroeter:
aus Lilienthal: Karl Ludwig Harding

Beobachtungsergebnisse:
• der Planet Merkur zeigt Streifen und Flecken auf der Oberfläche
(Tab. II – Fig. 17 -32)
• der Planet Venus zeigt Flecken an der Schattengrenze
(Tab. III- Fig. 1: a/b – Fig. 3: ()
• die Oberfläche hat Flecken und Streifen
(Tab. III – Fig. 4, 8/ 9: ( – Fig. 6: (/( – Fig. 7: (/ ()
• die Venus hat „aschgraues“ Licht auf der unbeleuchteten Seite
(Tab. III – Fig. 10)

Schlussfolgerungen:
• auf der Merkuroberfläche gibt es Berge, Gebirgsketten, Täler und Ebenen
• die höchsten Gebirge befinden sich auf der Südhalbkugel
• der Merkur besitzt eine Atmosphäre
• die Streifen sind atmosphärische Erscheinungen und Wolken, die in Ost- Westrichtung ziehen
• Merkur hat eine kurze Rotationsperiode
• die Schatten am Venus-Terminator sind Berge oder „Kettengebirge“
• die Venus besitzt eine dichte Atmosphäre
• die Schatten auf der Oberfläche sind Wolken mit Eigenbewegungen
• die teilweise schnellen Fleckenveränderungen deuten auf eine schnelle Rotation hin
• das aschgraue Licht wird durch nordlichtartige Erscheinungen in der Atmosphäre erzeugt
H.J. Leue

Beispiel: Mars

mars

J.H. Schroeters Marsbeobachtungen wurden erst 65 Jahre nach seinem Tod im Jahre 1881 unter dem Titel „Areographische Beyträge zur genauern Kenntnis und Beurtheilung des Planeten Mars“ im Auftrag der Leidener Sternwarte herausgegeben. Wegen seiner geringen Größe ist der Nachbarplanet ein schwierig zu beobachtendes Objekt. Deshalb sind J.H. Schroeters Beobachtungsergebnisse über Veränderungen auf der Planetenscheibe und über die Topografie des Planeten – durch 230 Zeichnungen aus dem Zeitraum von November 1785 bis Januar 1802 dokumentiert – von besonderer Faszination. Erst mit in situ-Beobachtungen durch Raumsonden konnten einige der von Schroeter gezogenen Schlußfolgerungen bestätigt werden. Die Beschreibungen von Rahmenbedingungen – seien es die widrigen Beobachtungsumstände in harten Wintern oder die Beobachtung von Oberflächendetails durch seinen 12-jährigen Sohn Johann-Friedrich – der vom Vater unabhängig mit dem 7-füßigen Herschel-Reflektor beobachtete – vermittelt dem Leser das Bild eines Zuschauers.

Beobachtungszeiten:

1785 bis 1798 und 1800 bis 1803
Fig. 197 bis Fig. 212: 8. Dezember 1800 bis 14. April 1801

Beobachtungsinstrumente (1 Fuß ≈ 30 cm Brennweite):
• 4- und 7-füßige Newton-Reflektoren nach Herschel
• 7- und 13-füßige Newton-Reflektoren von Schrader
• 20- und 27-füßige Newton-Reflektoren von Schroeter
• 10-füßiger Refraktor von Dollond

Mitbeobachter von J.H. Schroeter:

aus Lilienthal: Johann-Friedrich Schroeter / Karl-Ludwig Harding /Georg Tischbein
aus Bremen: Wilhelm-Mathias Olbers
aus Hannover: Mechanikus Drechsler
aus Gotha: Franz-Xaver von Zach
aus Celle: Ferdinand von Ende

Beobachtungsergebnisse:

• es gibt Berge und Bergketten – die höchsten auf der Südhalbkugel des Planeten
• Flecken und Streifen sind zeitlich veränderlich und lassen auf Wolken schließen
• der Mars hat zwei jahreszeitlich in Größe und Farbe veränderliche Polgebiete

Schlussfolgerungen:

• die grauen und hellen Flecken können Wolken sein
• die Sonne hat einen Einfluss auf die Bildung der Flecken
• es gibt starke Winde in Ost-Westrichtung, die zur Nacht hin einschlafen
• der Mars hat eine erdähnliche Atmosphäre mit Wetterbildung – er ist von den Planeten des Sonnensystems der erdähnlichste
H.J. Leue

Beispiel: Jupiter

jupiter

Auf Jupiter, dem größten Planeten des Sonnensystems, sind bereits mit kleinen Handfernrohren zwei markante Wolkenbänder in Äquatornähe sowie die vier hellen Monde – die sog. Galilei’schen Monde – gut zu erkennen.
J.H. Schroeters Beobachtungen aus den Jahren 1785 bis 1787 mit kurzbrennweitigen Fernrohren zeigen noch wenig Detail in den Wolkenformationen. Erst der Einsatz seiner größeren und optisch verbesserten Geräte, die in den Jahren 1796/97 vornehmlich zum Studium der Jupitermonde zum Einsatz kamen, lassen ihn die Dynamik der Bänder, ihre Farbveränderungen, die sporadische Bildung und Veränderung von Einzelflecken sowie die feinen Streifen in den Polregionen erkennen. Der Lichtwechsel der beiden inneren Monde lässt Schroeter vermuten, dass sie eine ausgeprägte Topografie und Atmosphäre besitzen.
J.H. Schroeter bestimmte den Jupiter- Durchmesser inklusive der Abplattung sowie seine Rotationszeit. Von den vier hellen Monden ermittelte er die Sichtbarkeitsparameter (Tab. III – Fig. 17/18), verfolgte ihre Schatten auf der Planetenoberfläche (Tab. III – Fig. 19 und Fig. 23) und versuchte, ihre Durchmesser und Rotationszeit zu messen.

Beobachtungszeiten
Oktober 1785 bis November 1787
August 1796 bis Dezember 1797

Beobachtungsinstrumente: (1 Fuß ≈ 30 cm Brennweite)
4- und 7-füßige Newton-Reflektoren nach Herschel
7- und 13-füßige Newton-Reflektoren von Schrader/Schroeter
27-füßiger Newton-Reflektor von Schroeter

Mitbeobachter von J.H. Schroeter:
aus Lilienthal: Karl- Ludwig Harding

Beobachtungsergebnisse:
• die Wolkenbänder verlaufen parallel zum Äquator des Planeten
• sie bewegen sich von Westen nach Osten
• die Bänder haben eine eigene Dynamik mit vor- und rückläufigen Bewegungen
• in den Bändern treten sporadisch helle und dunkle Flecken unterschiedlicher Größe auf (Tab. III – Fig. 23)
• Wolkenbänder und Flecken unterliegen Farbveränderungen
• in den graufarbenen Polregionen sind feine parallele Wolkenstreifen erkennbar
• Jupiter zeigt zum Rand hin einen starken Lichtabfall
• die beiden inneren Monde zeigen Flecken und Helligkeitswechsel
Schlussfolgerungen:
• Jupiter hat eine dichte Atmosphäre mit hohen Windgeschwindigkeiten
• die Flecken sind Zonen unterschiedlicher Wolkendichte und -höhe
• die Flecken auf den Monden können Wolkenformationen sein
• Jupiter hat wegen seiner großen Masse einen starken Einfluss auf die inneren Monde

H.J. Leue

Beispiel: Saturn

saturn

Bis zum Jahre 1781, in dem Wilhelm Herschel mit einem selbstgebauten Fernrohr den Planeten Uranus entdeckte, galt der Saturn als letzter Planet des Sonnensystems.
Nach der Erfindung des Fernrohres erkannte man, dass er sich nicht als runde Scheibe abbildete. Er wurde oft als „henkelartiges“ Gebilde wiedergegeben.
Erst die optisch qualitativ besseren Fernrohre des 18. Jahrhunderts zeigten Einzelheiten der Ringe, wie z. B. ihre Teilung, und ließen Spekulationen über die Morphologie des Ringsystems zu.
J.G. Schrader und J.H. Schroeter benutzten Saturnbeobachtungen zur Beurteilung der optischen Leistungsfähigkeit der von ihnen geschliffenen Teleskopspiegel. Die Beobachtung von insgesamt sieben Saturnmonden bis zur 13. Größenklasse durch J.H. Schroeter und K.L. Harding sind ein eindrucksvoller Beweis für die Güte ihrer Instrumente.

Schroeter bestimmte die Rotationszeit des Planeten, seinen Durchmesser, die Abmessungen des Ringsystems sowie die Umlaufzeiten einiger Saturnmonde. Karl-Ludwig Harding fand „Knoten“ in der Ringebene des Saturn, was Schroeter veranlaßte, sie als „Harding’sche Gebirge“ zu bezeichnen.
Während der Beobachtung von Saturnmonden konnten Harding und Schroeter im Februar 1797 auch einige Monde des Planeten Uranus, der damals auch noch „fidus Georgium“ genannt wurde, auffinden (Tab VI /Fig. 1 bis 3)

Beobachtungszeiten:
Juni 1789 bis Februar 1804

Beobachtungsinstrumente (1 Fuß ≈ 30 cm Brennweite):
• 7- und 13-füßige Newton-Reflektoren von Schrader/Schroeter
• 27-füßiger Newton-Reflektor von Schroeter

Mitbeobachter von J.H. Schroeter:
aus Kiel: J.G. Schrader
aus Lilienthal: Karl- Ludwig Harding

Beobachtungsergebnisse:
• Ring und Planet haben keine Verbindung miteinander – der Zwischenraum ist leer
• der Ring liegt in der Äquatorebene des Planeten
• der Ring hat unterschiedliche Dicken mit eingelagerten Knoten
• die Knoten sind selbst bei der Kantenlage des Ringes noch zu erkennen
• der Ring wirft einen Schatten auf den Planeten
• der Ring ist geteilt und hat ein unterschiedliches Reflexionsverhalten
• die Saturnatmosphäre ähnelt der des Planeten Jupiter
• Saturn hat parallele Wolkenstreifen mit eingelagerten Flecken

Schlussfolgerungen:
• der Ring besteht aus kleinen und großen Materiebruchstücken
• die „chaotische“ Ringmaterie wird durch Anziehungskräfte des Saturn zusammengehalten
• aus der Ringmaterie hätten Monde werden können
H.J. Leue

Beispiel: Planetoiden Ceres, Pallas, Juno, Vesta

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Ob die Gründung der Lilienthaler Societät vom 20. September 1800 zur Auffindung des vermuteten Planeten zwischen Mars und Jupiter einen entscheidenden Einfluss auf die Entdeckung der vier Kleinplaneten hatte, bleibt umstritten. Es scheint auch nicht sicher zu sein, ob die Entdeckung des ersten Planetoiden Ceres – benannt nach der Göttin des Wachstums – im Jahre 1801 durch Joseph Piazzi in Palermo auf die systematische Suche nach den Statuten der Lilienthaler AG zurückzuführen ist. Denn erst Bahnberechnungen widerlegten Piazzis Meinung, es handle sich bei seinem neu gefundenen Objekt um einen kleinen Kometen. Verbrieft ist, daß der Gothaer Astronom und Initiator zur Gründung der Lilienthaler Vereinigung, Franz Xaver von Zach, fest an die Gültigkeit der Titius-Bodeschen Regel glaubte. Dieses Bahn- abstandsgesetz besagt, daß sich zwischen Mars und Jupiter ein Planet befinden muss, den es damals zu suchen galt.

Nachdem Wilhelm Mathias Olbers im Jahre 1802 auf einer Ceres-ähnlichen Bahn den zweiten kleinen Planeten entdeckte – er wurde auf den Namen Pallas getauft – stand für ihn fest, dass ein „zerplatzter Planet“ mehrere Bruchstücke in der Form der gefundenen Objekte hinterlassen hat. Karl Ludwig Harding postulierte, weitere Kleinplaneten ließen sich an den Bahnschnittpunkten finden. Seine beharrlichen Beobachtungen führten im September 1804 zum gewünschten Erfolg. Er fand mit Schroeters Teleskopen den dritten Planetoiden, der den Namen der altitalienischen Ehegöttin Juno erhielt.
Nach der Entdeckung des vierten Objektes Vesta, wiederum durch Olbers, schreibt J.H. Schroeter: „Statt des vorausgesagten achten Hauptplaneten hat, wie uns nun die Erfahrung überzeuget und so weit bis jetzt die Entdeckungen vorgedrungen sind, die Allmacht vier kleine Planeten aus der chaotischen Materie entwickelt und ausgebildet.“

Entdeckungsdaten:
• Ceres – 1. Januar 1801 durch Joseph Piazzi in Palermo
• Pallas – 28. März 1802 durch Wilhelm Mathias Olbers in Bremen
• Juno – 2. September 1804 durch Karl Ludwig Harding in Lilienthal
• Vesta – 29. März 1807 durch Wilhelm Mathias Olbers in Bremen

Die Lilienthaler Astronomen, mit Friedrich Wilhelm Bessel als Vertreter der Positions-Astronomie, verfolgten den Weg der kleinen Himmelskörper und ermittelten ihre Örter, um sie an Karl-Friedrich Gauß in Göttingen für neuere, bessere Bahnbestimmungen weiterzuleiten. (Tab. V)
Neben der Bahnmechanik interessierte Schroeter die physische Beschaffenheit der Körper, die er Asteroid-Planeten nannte. Er bestimmte ihre Durchmesser und versuchte, die unterschiedlichen Werte mit den Bahndurchmessern zu korrelieren. Während Ceres, Pallas und Juno als Scheibchen im Fernrohr zu sehen waren und im ruhigem Licht der Planeten strahlten, bildete sich die kleine Vesta wie ein Fixstern ab. Schroeter vermutete, daß Vesta nicht nur Sonnenlicht reflektiert, sondern – zumindest in einer Entwicklungsphase – ihr eigenes Licht erzeugt. Die schwachen Lichtwechsel der anderen Planetoiden begründete er mit der Eigenrotation unregelmäßiger Körper; die unterschiedlichen Bahnexzentrizität mit der Störung der Planetoiden untereinander.
Ihren gemeinsamen Ursprung drückt Schroeter mit den Worten aus: „Mich dünkt, durch diese vorbemerkten Umstände zeugen Ceres, Pallas Juno und Vesta von sich selbst, daß sie zusammen gehörige Schwestern einer gleichzeitigen Geburth sind“.

H.J. Leue

Beispiel: Kometen
komet

Im geozentrischen Weltbild des Mittelalters gehörten die Kometen nicht zur himmlischen Sphäre – sie galten als Unheilsbringer, als Strafe Gottes.
Zur Zeit Schroeters war bekannt, dass sich Kometen auf Bahnen bewegen, die bis an die Grenze des Sonnensystems reichen. Noch unverstanden waren die chemisch-physikalischen Vorgänge, die für das Erscheinungsbild dieser sporadisch erscheinenden Himmelskörper bei ihrer Sonnennähe prägend sind.
Erst mit der Mission der Giotto-Sonde am Kometen Halley im Jahre 1986 konnte die Größe eines Kometenkerns bestimmt, seine Morphologie erforscht und die Emission von Gas- und Staubpartikeln als Wechselwirkung mit der Teilchenstrahlung der Sonne analysiert werden. Einige von Schroeters hypothetischen Schlussfolgerungen wurden dabei bestätigt.

Die beiden Kometen von 1807 und 1811 waren sehr hell – mit Schweiflängen von ca. 10 und 16 Grad.

Beobachtungszeiten:
Komet von 1807: 4. Oktober 1807 bis 24. Februar 1808 – Tab. I
Komet von 1811: 25. August 1811 bis 18. Dezember 1811 – Tab. IV

Beobachtungsinstrumente: (1 Fuß ≈ 30 cm Brennweite)
3.5-Zoll- Kometensucher von Weickert
7- und 15-füßige Newton-Reflektoren von Schrader/Schroeter
10-füßiger Refraktor von Dollond

Mitbeobachter von J.H. Schroeter:
aus Göttingen: Karl Ludwig Harding
aus Lilienthal: Friedrich Wilhelm Bessel
aus Bremen: Wilhelm Mathias Olbers

Beobachtungsergebnisse:
• der Schweif ist von der Sonne weg gerichtet,
• er kann mehrere Millionen km lang werden
• Kometen haben oft mehrere Schweifäste unterschiedlicher Länge und Krümmung
• die Schweifmaterie ist so fein verteilt, dass Sterne durch sie hindurch scheinen
• Schweife können pulsieren – sich schnell in Helligkeit und Ausdehnung verändern
• der Kopfbereich (Koma) variiert in Helligkeit, Ausdehnung und Kondensationsgrad
• der „Kopfschleier“ wird zuweilen abgestoßen – der „Lichtnebel“ geht in den Schweif über

Schlussfolgerungen:
• die Sonne treibt die Schweifmaterie in den Weltraum
• Kometen haben einen kleinen Kern geringer Masse – fest und/oder flüssig
• der Kern ist von einer „Atmosphäre“ oder „Lichthülle“ umgeben
• der Kern ist der Beobachtung verborgen, da er von der Helligkeit der Koma überstrahlt wird
• die Kometen erzeugen ihr „eigenes“ Licht – sie reflektieren kaum Sonnenlicht
• das Abstoßen der Materie vom Kern basiert auf „tellurischer Elektrizität“ und auf „Galvanismus“
• die abstoßende Kraft ist im gesamten Weltraum vorhanden.

Hans-Joachim Leue