Sternwarte Lilienthal

 

Um die bedeutende Astronomiegeschichte Lilienthals, sowohl Kindern, Jugendlichen als auch Erwachsenen näher zu bringen und sie damit für den Wiederaufbau der Lilienthaler Sternwarte zu interessieren, wurde im Jahre 2000 die AVL Astronomische Vereinigung Lilienthal e.V. gegründet. In der Satzung des gemeinnützigen Vereins ist die Selbstverpflichtung, das historische Erbe des Lilienthaler Oberamtmannes und Astronomen Johann Hieronymus Schroeter zu bewahren sowie den Aufbau des größten Instrumentes der Sternwarte, des 27- füßigen Spiegelteleskops aus dem Jahre 1793 anzustreben, festgeschrieben worden.

Rekonstruktion des 27-füßigen Teleskops

Modell des 27-füßigen Teleskops – Rekonstruktion und Foto von Dr.-Ing Felix Lühning

 

Nach mehrjähriger intensiver und mehrfach veränderter Planung unter dem Arbeitstitel TELESCOPIUM-Lilienthal ist aus dem ursprünglichen Projekt mit einem Science-Center, dem Aufbau historischer Beobachtungsstationen und einem Planetarium die Rekonstruktion des 27-füßigen Teleskops nunmehr Realität geworden.

Am Ortseingang Lilienthals, gegenüber dem Borgfelder Landhaus, entsteht entsprechend der technischen Beschreibung von Schroeter der originalgetreue Nachbau seines Newton-Spiegelteleskops mit einem Spiegeldurchmesser von 50 cm und 8 Meter Brennweite.

Die sog. Montierung, mit der das Fernrohr auf das Beobachtungsobjekt ausgerichtet wird, ist eine gabelartige Holzkonstruktion, die auf einem gemauerten Turm ruht, der eine Höhe von ca. 7 Meter hat. Das Gerät mit dem Tubus, der Beobachterbühne und den darauf befindlichen Besuchern lässt sich horizontal um die Mittelachse des Turmes drehen.

Der Durchmesser des äußeren Spurkreises beträgt 22 Meter. Die Höhenverstellung des Rohres mit der Optik geschieht über einen Flaschenzug.

Zur Kompensation der Erddrehung wird das Teleskop über Zahn-und Spindeltriebe vom Beobachter selbst mit der Hand bewegt. Der seitliche Einblick in das Rohr mittels Okular ist am oberen Rohrende auf der Plattform, die Platz für mehrere Personen bietet. Der Zugang zur Plattform ist über eine Treppe im Turm oder über eine separate äußere Leiterkonstruktion möglich.

Einblick in das Rohr

Modell des 27-füßigen Telescops – Rohrende mit Okular auf der Plattform – Rekonstruktion und Foto von Dr.-Ing Felix Lühning

 

Das Instrument ist baulich und sicherheitstechnisch dem heutigen Stand der Technik angepasst, wobei die historisch überlieferte Handhabung grundsätzlich beibehalten wurde.

Ziel ist es, zu zeigen wie und mit welcher Technik vor mehr als 200 Jahren astronomische Beobachtungen durchgeführt wurden und zu welchen Ergebnissen und Erkenntnissen die Astronomen der Zeit kommen konnten.

Wegen der Lichterglocke Lilienthals und Bremens werden überwiegend die Objekte des Sonnensystems, d.h. Sonne, Mond und Planeten, zu beobachten sein.

Bei ruhiger Luft können die Mondkrater mit ihren vielen Facetten bei den wechselnden Mondphasen, die Wolkengürtel auf dem Jupiter mit dem Spiel seiner vier großen Monde , das Ringsystem des Planeten Saturn oder die Strukturen auf der Sonnenoberfläche mit großer Brillanz zu sehen sein.
Die Beobachtung mit einem historischen Großfernrohr wird einen bleibenden Eindruck auf den Besucher hinterlassen.

Hans-Joachim Leue